Ich schenk dir einen Regenbogen
Die Sonne stand hoch am Himmel und schenkte der Welt ihr wärmendes Lachen.
Verspielte Schäfchenwolken leisteten ihr in der Weite des blauen Himmels Gesellschaft und amüsierten sie mit kleinen Zauberkunststücken. Mal verwandelten sie sich in einen Vogel, dann schlossen sie sich zu einer Kuh zusammen. Ein anderes Mal formten sie zusammen einen Drachen oder auch einen langbärtigen Zwerg. Dann drifteten sie wieder auseinander, um einfach nur Schäfchenwolken zu sein.
Die Sonne war nicht die Einzige, die den Wölkchen zuschaute.
Weit unten, zwischen duftenden Wiesen, saß ein Hobbitjunge unter einem schattenspendenden Baum und starrte verträumt in die Höhe.
„Eine Wolke wäre ich gerne.“ dachte der Junge. „Weit oben würde ich dahinschweben, auf dem Dach der Welt und könnte alles sehen, was es gibt. Das ganze Auenland, den großen Ozean und viele, ferne Länder. Vielleicht auch Drachen...und Adler... “
„Pippin!“ unterbrach plötzlich eine tiefe Stimme die Gedanken des Kindes. „Hier bist du! Ich dachte, du wolltest mich nach Buckelstadt begleiten?“
Pippin sprang auf die Füße. „Oh, ich habe die Zeit ganz vergessen Vater! Ich komme gleich! Warte auf mich!“
Flink rannte das Kind davon und verschwand im nahegelegenen Farmhaus.
Pippin stürmte den Flur entlang in sein Zimmer und schaute sich suchend um.
Der Boden war mit Spielsachen und Kleidungsstücken übersäht. Pippin schob einige Sachen mit dem Fuß zur Seite, dann kniete er nieder, um unter das Bett zu blicken.
„Wo ist es denn nur?“ murmelte er.
„Wo ist was?“
Pippin schaute zur Tür. Seine Mutter stand dort und blickte kopfschüttelnd auf das Chaos.
„Sagtest du nicht, du wolltest aufräumen?“
Pippin errötete. „Hab ich doch...ein bisschen. Aber Mama, Vater und ich wollen jetzt nach Buckelstadt fahren! Hast du mein Sparschwein gesehen? Ich kann es nicht finden!“
Eglantine deutete auf ein rosa Porzelanschnäuzchen, welches unter einem Hemd hervorlugte.
„Dort hinten.“ sagte sie und Pippins Gesicht hellte sich auf. Schnell rannte er hinüber, hob es hoch und schüttelte es. Dann zog er den kleinen, hölzernen Stöpsel aus dem Schweinebauch.
„Gib nicht dein ganzes Geld für Süßes aus!“ warnte Eglantine ihn.
Pippin gab ihr sein schönstes Lächeln, während er einige Silberstücke in seiner Tasche verschwinden ließ.
„Mach ich schon nicht Mama! Bis später!“ rief er und rannte an ihr vorbei.
*******************
Das kleine, graue Pony zog den Wagen in welchem Pippin und Paladin saßen gemächlich über den staubigen Weg nach Buckelstadt.
Pippin hüpfte auf seinen Platz aufgeregt hin und her. „ ...und dann werde ich noch die Minzelutscher kaufen und die Apfelringe und die Zuckerkekse und ...“
„Was du nicht alles kaufen willst...“ unterbrach Paladin seinen Sohn lachend. „Hätte wir doch den großen Wagen anspannen sollen?“ fragte er dann mit einen Zwinkern.
Pippin überlegte einen Moment. „Nein, das wird schon gehen.“ antwortete er ernsthaft und Paladin lachte erneut laut auf.
„Dann bin ich ja erleichtert!“ sagte er.
„Schau mal dort, Pippin.“ fuhr er fort und deutete auf einen farbenprächtigen Vogel, der vor ihnen durch die Luft flog. „Das ist ein Buntspecht.“
Pippin schaute das Tier mit großen Augen an. „Der ist wunderschön, Papa.“
Paladin begann eine Melodie zu summen und füllte sie schließlich mit den Worten eines alten Kinderliedes.
„Wer klopft den lieben langen Tag
im Walde, tack, tack, tack?
Das ist der Meister Hämmerling
in seinem bunten Frack!
Tack, tack, tack, tack!
Das ist der Meister Hämmerling
in seinem bunten Frack!
Mal pickt er sich zum Mittagsmahl
ein Würmchen raus, bum, bum!
Mal sieht er sich am Buchenstamm
nach einer Wohnung um.
Bum, bum, bum, bum!
Mal sieht er sich am Buchenstamm
nach einer Wohnung um.
Wer klopft den lieben langen Tag
im Walde, tack, tack, tack? ....... „*
Begeistert stimmte Pippin mit ein und seine hohe Kinderstimme mischte sich mit dem tiefen Bariton seines Vaters und hallte über Feld und Wiese.
******************
Paladin stoppte den Wagen am Rande des Marktplatzes von Buckelstadt, in der Nähe einer Wasserpumpe.
Nachdem ein Eimer mit dem kühlen Nass für Springer, das Pony, gefüllt war und das Tier seinen Durst gelöscht hatte, band Paladin es an einem Holzpfosten fest und machte sich dann mit seinem Sohn auf den Weg.
Zuerst ging es zum Süßwarenladen und Pippin durfte sich einige Leckerein kaufen.
Zufrieden, mit einem Lutscher im Mund und einem Beutel voller Lutscher in der Hand, trottete er schließlich seinem Vater hinterher, der nun seine Besorgungen machte.
„Papa.“ rief Pippin plötzlich. „Schau mal, da hinten sind Tim, Ruby, Tolman und Porto. Darf ich spielen gehen?“
Paladin nickte. „Ja, aber bleib in Sichtweite des Marktplatzes. Ich komme dich holen, wenn ich mit den Einkäufen fertig bin.“
„ Ja, Papa!“ rief Pippin und rannte zu seinen Freunden.
*********************
Die Kinder spielten und lachten und Pippin verteilte großzügig seine Lutscher.
„Hab dich!“ rief Pippin und tickte Ruby an. „Du bist dran!“
Ruby drehte sich blitzschnell um und rannte hinter dem flinken Hobbitjungen her.
Plötzlich jedoch blieb dieser stehen und Ruby wäre beinahe mit ihm zusammengestoßen.
„Pip! Wieso bliebst du den stehen?“ fragte sie keuchend.
Pippin deutete auf ein Mädchen, welches nicht weit entfernt auf einer Bank neben einer kleinen Hobbithöhle saß.
„Wer ist denn das?“ fragte er. „Ich habe sie noch nie zuvor hier gesehen.“
„Das ist Evergreen. Sie ist erst vor zwei Wochen mit ihrer Mutter hier hergezogen.“ antwortete Ruby.
„Oh, lass uns doch fragen, ob sie mitspielen möchte!“ sagte Pippin und rannte schon zu dem Mädchen hin. „Komm!“ rief er über seine Schulter zu Ruby.
„Warte! Pip, nein! Geh nicht zu ihr. Meine Mama sagt, sie sei nicht normal! Pip!“
Pippin hörte nicht auf Rubys Rufe und setzte seinen Weg fort.
„Nicht normal?“ dachte er. „Was soll das denn heißen? Sie schaut doch ganz normal aus!“
******************
„Hallo.“ Sagte Pippin, als er bei dem Mädchen angekommen war.
Das Mädchen hob den Kopf und Pippin trat erschrocken einen Schritt zurück.
„Hallo.“ erwiderte sie. „Wer bist du?“
„Uhm....ich...mein Name ist Peregrin...aber alle nennen mich Pippin.
„Hallo Pippin. Ich heiße Evergreen.“
Pippin konnte seinen Blick nicht von dem Mädchen wenden. Sie hatte lange, braune Locken und viele Sommersprossen auf der Nase. Sie sah wirklich hübsch aus, wären da nicht diese Augen.
Große Augen unter langen schwarzen Wimpern....doch sie hatten keine Farbe. Sie waren weiß und leblos.
„Wie alt bist du?“ brach Evergreen das Schweigen, das sich über sie gelegt hatte.
„ ... 13 “ **.... aber ich werde bald 14.“
Evergreen lächelte. „Ich bin auch 13.“
Wieder breitete sich Schweigen aus.
„Uhm....“ sagte Evergreen. „... möchtest du dich zu mir setzen?“
„Ich weiß nicht...meine Freunde sind da hinten und wir spielen Ticker...und...“
„Oh..“ entfuhr es Evergreen. „Ja dann solltest du sie nicht warten lassen.“
Ihre Stimme klang traurig,
„Ein bisschen Zeit habe ich schon...“ sagte Pippin und setzte sich neben sie.
„..Evergreen? fragte er dann zögernd.. „Was...was ist denn mit.. mit deinen Augen los?“
„Ich bin blind.“ entgegnete das Mädchen. „Ich bin so geboren.“
„Oh.“ Sagte Pippin und verstummte. Er wusste nicht was er weiter sagen sollte. Noch nie zuvor hatte er jemanden getroffen, der nicht sehen konnte.
„Wenn du nicht mein Freund sein möchtest, kann ich das verstehen. Es ist sicher ziemlich langweilig mit mir hier zu sitzen, wenn du stattdessen spielen könntest.“
„Spielst du denn nie?“ fragte Pippin erstaunt.
„Manchmal spiele ich mit meiner Puppe.... aber so etwas wie Ticker... „ Evergreen verstummte und senkte traurig den Kopf.
Pippin legte dem Mädchen eine Hand auf den Arm. „Ich würde gerne dein Freund sein und ich bin mir sicher uns fällt auch was Tolles ein, was wir spielen können.“
„Ist...ist das dein Ernst?“
„Ja...lass mich einmal überlegen.“
Evergreen wartete geduldig.
„Ich habe es!“ rief Pippin plötzlich. „Ich höre was, was du nicht hörst und das ist... hoch und...etwas schräg....“
Evergreen kicherte. „ Ich glaube das ist meine Mutter. Die singt beim Wäsche machen immer gerne. Bin ich jetzt dran?“
Pippin nickte. „Ja.“ Fügte er schnell hinzu, als ihm einfiel das Evergreen sein Nicken ja nicht sehen konnte.
„Ich höre was, was du nicht hörst und das ist dumpf und regelmäßig.“
Pippin lauschte. „Der Hammer vom Hufschmied?“
„Nein.“ sagte Evergreen kichernd. „Viel, viel dumpfer.“
Wieder lauschte Pippin und dann hellte sein Gesicht sich auf. „Das ist Miss Viola, die ihre Teppiche ausklopft!“
„Miss Viola kenne ich zwar nicht, aber ja... Teppiche ausklopfen ist richtig! Sehr gut!“
„Pippin!“ erklang plötzlich die Stimme Paladins.
„Das ist mein Vater, der da ruft.“ Pippin schaute in Richtung Marktplatz und sah wie sein Vater ihm zuwinkte. „Ich muss jetzt los, Evergreen. Es war nett dich kennen gelernt zu haben.“
„Es hat mich auch gefreut. Schade, das du schon gehen musst. Uhm...hast du Lust mich vielleicht mal wieder besuchen zu kommen?“
„Sehr gerne!“ sagte Pippin.
Pippin verabschiedete sich noch schnell von seinen Freunden, die an der anderen Seite der Wiese weitergespielt hatten und teilte ihnen mit, das Evergreen sehr nett war, auch wenn sie nichts sehen konnte.
Die Kinder schauten skeptisch zu dem Mädchen hinüber.
„Ihr könnt sie ja auch mal besuchen gehen. Sie würde sich sicher freuen!“ schlug Pippin vor, bevor zu seinem wartenden Vater rannte.
*****************
Der Ponywagen hüpfte wieder über den sandigen Weg und Pippin saß nachdenklich und ruhig neben seinem Vater.
„Hattest du keinen Spaß?“ fragte Paladin, dem ein so stiller Pippin eigenartig vorkam.
„Doch, hatte ich Papa...es ist nur... wie ist das, wenn man nichts sehen kann?“
Verwundert schaute Paladin seinem Sohn in die Augen. „Wie kommst du denn darauf?“
„Meine neue Freundin Evergreen kann nichts sehen.“
„Das arme Mädchen.“ sagte Paladin. „Hatte sie einen Unfall?“
„Nein, sie hat erzählt, das sie so geboren worden ist. Warum wird jemand so geboren, Papa?“
Paladin dachte nach. „Ich weiß es nicht.“ entgegnete er schließlich.
„Darf ich sie bald wieder besuchen gehen?“ fragte Pippin und Paladin nickte.
„Sie ist nämlich erst vor kurzem mit ihrer Mama hergezogen und hat sonst noch keine Freunde.“
„Wir können sie und ihre Mutter ja mal zum Tee einladen, Pippin. Was hältst du davon?“
„Wirklich?“ Pippin strahlte. „Das wäre wunderbar!“
******************
„Mama, sie kommen. Sie kommen.“ rief Pippin aufgeregt und Eglantine trat neugierig aus der Küchentür.
Neben Paladin saß eine junge Hobbitfrau mit langen braunen Haaren und ein kleines Mädchen, mit ebensolchen Haaren.
Paladin half den Gästen vom Wagen und Pippin rannte freudig zu Evergreen.
„Hallo Eve!“ rief er.
„Hallo Pip! Endlich sind wir da!“ jubelte Evergreen.
Eglantine begrüßte die Gäste ebenfalls.
„Guten Tag.“ sagte sie. „Wie schön, dass ihr kommen konntet. Mein Name ist Eglantine. Ich bin Pippins Mutter.“
Die Hobbitdame lächelte Eglantine schüchtern an. „Hallo. Ich bin Bluebell und das ist meine Tochter Evergreen. Ich freue mich sehr, das sie uns eingeladen haben. Es ist nicht so einfach...“ Bluebell verstummte. „Vielen Dank für die Einladung!“ sagte sie dann und Eglantine sah, das Tränen in ihren Augen schimmerten.
Sie legte Bluebell eine Hand auf die Schulter.
„Ihr beide seit uns hier sehr willkommen. Ich hoffe ihr habt Hunger mitgebracht?“
„Und ob!“ lachte Evergreen und Eglantine strich dem Kind über die Haare. „Sehr schön.“ sagte sie lächelnd.
Pippin nahm Evergreen an die Hand und führte sie in den Garten. Die Erwachsenen folgten.
„Pearl, Nell, Vinca! Unsere Gäste sind da!“ rief Eglantine in die Küche und die Mädchen, die schnell noch die Spuren des Backens all der Kuchen, die Pippin sich für seine Freundin gewünscht hatte, beseitigt hatten, kamen ebenfalls in den Garten und begrüßten Bluebell und Evergreen.
Nachdem ein großer Teil der Kuchen verzerrt war und die Erwachsenen und Pippins Schwestern sich heiter unterhielten, fragte Pippin nach der Erlaubnis Evergreen die neuen Katzenbabys zeigen zu dürfen, die vor kurzer Zeit geboren worden waren.
Er nahm das Mädchen wieder an die Hand. Doch dieses mal zog Evergreen ihre Hand zurück und legte sie stattdessen auf Pippins Arm.
Pippin legte seine Hand auf ihre und drückte sie sanft, dann machten die Kinder sich, fröhlich erzählend, auf den Weg zur Scheune.
„Snowdrop hat vier Babys bekommen. Die sind noch ganz winzig und alle sind sie flauschig weich.“ sagte er.
Pippin führte Evergreen in das tiefe Stroh, welches einen Teil des Scheunenbodens bedeckte.
„Warte hier und knie dich nieder. Ich hole dir eines der Kleinen.“
Pippin kam bald zurück und legte Evergreen vorsichtig ein winziges, weißes Katerchen in den Schoß.
„Das ist Snowflake. Er ist genauso weiß wie seine Mama, deshalb habe ich ihn so genannt. Die anderen heißen: May, Lily und Buttercup.
Snowflake ist also das einzigste Katerchen und hat sonst auch nur Schwestern, genau wie ich.“
Evergreen strich behutsam über das weiche Fell des Kleinen. „Er fasst sich so schön an. Ich wünschte ich könnte ihn sehen. Wie ist ...weiß?“ fragte sie und Pippin schaute sie erstaunt an.
Er hatte noch nie darüber nachgedacht, wie weiß ist...weiß war weiß....blau war blau...grün war grün... aber woher sollte Eve die Farben kennen, wenn sie sie noch nie gesehen hatte?
„Also...“begann er...“ weiß ist wie ... wie... der Duft von sauberer Wäsche, ganz rein...und sanft und weich, wie Snowflakes Fell...oder wie als, wenn man ganz vorsichtig über eine Pusteblume streicht.
„Das klingt sehr schön. Hast du eine Lieblingsfarbe, Pippin?“
„Ich mag alle Farben gerne. Aber am allerliebsten habe ich glaube ich... grün.“
„Kannst du mir beschreiben wie grün ist...und all die anderen Farben?“
„Ich kann es versuchen. Komm, lass uns etwas spazieren gehen. Ich zeige dir meinen Lieblingsplatz und überlege mir dabei, wie die Farben sind.“
Pippin bot Evergreen wieder seinen Arm an und führte sie dann über eine Weide zu einem großen Baum, der am Rande einer unendlich weiten Blumenwiese lag.
„Grün...“sagte Pippin plötzlich, „ .. Grün ist wie das Gefühl, das du hast, wenn du an einem frühen Sommermorgen nach draußen gehst und die Luft einatmest. Grün ist frisch und glatt...und doch irgendwie sanft.“
Pippin pflückte ein Blatt von einer Blume gab es Evergreen in die Hände. „Fühl mal... das ist wie sich Grün anfühlt.“
Evergreen lächelte. „Ich denke Grün könnte dann auch meine Lieblingsfarbe sein. Wie ist blau?“
Pippin schaute in den Himmel. „Blau ist.... eher kühl... als ob du deine Hand in einen kleinen Bach stecken würdest und das Wasser um deine Finger fließt.“
„Das klingt auch sehr schön. Und was ist mit rot?“
„Rot ist...lebendig ... rot ist wie, als wenn du seine Hand nahe über einem Feuer hältst...ganz heiß. Rot ist aber auch sehr...kräftig, wie eine besonders leckere Erdbeere, deren Süße, du auf deiner Zunge fühlst.“
„Rot gefällt mir.“ Sagte Evergreen. „Wie ist es mit ..Gelb?“
„Gelb ist... Gelb ist wie.... „ Pippin dachte nach. „Hebe dein Gesicht hoch Eve. Was spürst du?“
„Ich spüre wie die Sonne auf meine Haut scheint und sie wärmt. Und ich spüre wie die Luft leicht über mein Gesicht streicht.“
„Das ist Gelb.“ Lachte Pippin. „Gelb ist warm, aber nicht so heiß wie rot, sondern sanfter. Gelb ist wie Sonnenstrahlen auf dem Gesicht.“
Evergreen hob wieder das Gesicht zur Sonne. „Gelb ist ebenfalls wunderschön. Ich glaube ich mag alle Farben gleich gerne.“
„Dann magst du bunt!“ sagte Pippin.
„Bunt?“
„Ja, bunt sind alle Farben zusammen. Die warmen und die kalten, wie in einem Regenbogen.“
„Ein Regenbogen muss das Hübscheste sein, was es auf der Welt gibt. Ich würde alles dafür geben einen solchen sehen zu dürfen.“
Evergreens Stimme nahm einen traurigen Klang an und Pippin überlegte fieberhaft, wie er seine Freundin aufmuntern konnte.
„Gerne würde er ihr einen Regenbogen zeigen...doch das war nicht möglich.“
„Warte hier, Eve!“ rief er plötzlich.
„Wo willst du hin?“
„Ich bin gleich wieder zurück! Ich habe eine Überraschung für dich!“
Pippin rannte über die Wiese, hin und her und pflückte von all den vielen, verschiedenen Blumen einige ab, bis er einen großen, bunten Strauß in den Händen hielt.
Er rannte zu Evergreen zurück.
„Strecke deine Hände aus.“ sagte er und Eve tat, wie ihr gesagt wurde.
Pippin legte ihr den Blumenstrauß in die Arme. „Und jetzt atme ganz tief durch die Nase ein.
Pippin wartete gespannt und sah wie sich ein Lächeln auf Eves Gesicht ausbreitete.
„Das ist dein bunter Regenbogen. Ein Regenbogen der Gerüche.“ Sagte er.
Evergreen lachte und Pippin fand, dass das die schönste Melodie war, die er je gehört hatte.
Er ließ sie an jeder Blume einzeln riechen und erzählte ihr dann, welche Farbe die jeweilige Blume hatte.
Nachdem das Mädchen an allen Blumen gerochen hatte, beugte sie sich vor, ertastete Pippins Wange und gab sie ihm einen kleinen Kuss. „Ich danke dir, Pippin. Vielen Dank für meinen bunten Regenbogen!“
- Ende -
AN: * Kinderlied von Christa Maria Fiedler
** 13 Hobbitjahre entsprechen ca. 7 ½ - 8 Menschenjahre