A Hobbity Wizard by Golden

Der Zauberer und der Hobbit (German)

Der Zauberer und der Hobbit

„Peregrin Tuk!“ rief eine raue Stimme. „Komm aus dem Teich heraus! Sofort!“

Ein tropfend nasser, kleiner Hobbit rannte lachend auf den Zauberer zu und sprang in seine Arme.

„Gandalf, schau mal, ich habe einen Frosch gefangen!“

„Schön, schön“ murmelte der große Mann und warf einen kurzen Blick auf die grüne, schleimige Kreatur.

„Warum setzen wir uns nicht dort unter den Baum und ich erzähle dir eine Geschichte?“ fragte er dann, in der Hoffnung das Kind würde etwas ruhiger werden.

Wieso hatte er sich nur freiwillig dazu gemeldet einen ganzen Tag auf den kleinen Tuk aufzupassen?

Er schaute dem kleinen Kind tief in die grünen Augen.

Freude, Unschuld und Liebe blickten ihn an. Er lächelte.

Er wusste warum.

Diese kleinen Geschöpfe waren so liebreizend und schafften es seinen oft sorgeschweren Geist mit einem warmen Lächeln auf ihren sorgefreien Gesichtern zu entlasten.

Und dieses Kind hatte eine besonders aufheiternde Aura.

Gandalf setze den Hobbit zu Boden und begann ihm die nassen Kleider auszuziehen, um sie in der Sonne trocknen zu lassen.

Pippin hüpfte dabei lachend auf der Stelle und plapperte ununterbrochen vor sich hin, seine strahlenden grünen Augen erspähten jede Regung in der Umgebung.

Gandalf hörte Wortfetzen von „ Schau der Vogel...oh eine Biene .... guck mal ein Eichhörnchen ... sieh mal ein bunter Schmetterling....“

Das Gandalf seinem Geplapper kaum Beachtung schenkte, kümmerte Pippin nicht.

Der Zauberer wickelte den Jungen in seinen grauen Mantel und setzte sich, mit dem ihm auf dem Schoß unter einen großen, schattenspendenden Baum.  Dann steckte er ihm einen der mitgebrachten Kekse in den Mund.

„So und jetzt bin ich mit Reden dran.“

Pippin knabberte glücklich seinen Keks und der Zauberer begann mit seiner Geschichte.

„Es war einmal eine junge, wunderschöne Prinzessin, mit dem Namen Jolanthe. Sie war sehr glücklich. Sie liebte das Leben, hatte alles was das Herz begehrte und vor allem hatte sie eine so liebliche Stimme, wie sie zuvor noch niemand gehört hatte.

„Dieses erregte den Neid ihrer Schwester Mathilde, die weder mit Talent, noch mit überragender Schönheit gesegnet war und so im Schatten von Jolanthe stand.

Eines Tages suchte sie daher die böse Zauberin Iken auf und ... „

„Es gibt Zauberer Mädchen?“ fragte Pippin staunend.

„ Uhm...ja.“ antwortete Gandalf.

„Ist Iken deine Frau?“

„Nein, ich habe keine Frau.“

Pippin schaute Gandalf mitleidsvoll an.

„Ich verstehe“ sagte er dann in einem Ton, den er oftmals von Erwachsenen gehört hatte und sein Gesicht trug einen ernsten Ausdruck.

„Manche benötigen einfach ein wenig mehr Zeit, um die Richtige zu finden. Wenn du Hilfe brauchst, dann sag es mir. Du weißt, ich habe drei Schwestern und daher weiß ich ziemlich viel über Frauen.“

Gandalf schaffte es nur unter großer Anstrengung zu verbergen, wie ihn dieses Gespräch amüsierte.

„Ist Iken dann vielleicht eine Cousine von dir?“ fuhr Pippin fort.

“Nein.”

“Hmm”, machte Pippin, “wie viele Cousins und Cousinen hast du eigentlich?“

„Keine“.

Pippin starrte Gandalf geschockt an. „KEINE?! Das ist so traurig. Ich kann dir ein oder zwei von meinen ausleihen, wenn du möchtest. Ich habe genug zum teilen. Es macht viel Spaß mit Cousins zu spielen. Viel mehr als mit Schwestern. Aber Merry kannst du nicht haben.

Aber vielleicht... ja, da wäre meine Großcousine mütterlicherseits....“

Gandalf legte eine Hand über den Mund des Hobbits. Er befand sich in großer Gefahr. Schon der kleinste Hobbit, konnte, sobald er oder sie der Sprache mächtig war unendlich lange über die Familiengeschichte reden.

„Möchtest du nun hören, wie die Geschichte weitergeht?“ fragte er verzweifelt.

Pippin nickte.

„ .... Mathilde ging also zu Iken und bat sie um ihre Dienste. Im Austausch von einer Kiste puren Goldes legte Iken einen Fluch auf Jolanthe. Sie verwandelte sie in einen Stein und nur das Wasser aus dem sich selbst füllenden goldenen Kelch, sollte sie zurückverwandeln.

„Dieser Kelch jedoch wurde von dem schrecklichen Ungetüm Oden bewacht. Ein zweiköpfiges Biest, mit scharfen Zähnen und Krallen, dem heißen Atem eines Drachen und so hoch wie ein Haus.

„Der Weg zu Odens Höhle war ebenfalls kaum bezwingbar. Er führte über tiefe Schluchten, rasende Flüsse und an steilen Bergwänden empor.

„Dennoch gab es einige mutige Prinzen, die versuchten Jolanthe von dem Fluch zu erlösen.

„Es heißt, das einer es bis vor den Eingang von Oden´s Höhle geschafft hat, doch der heiße Atem des Monsters zerschmolz sein Schwert in Sekunden und der Prinz wurde nie wieder gesehen.

„Jolanthes Fluch wurde nie gebrochen und sie blieb für immer ein Stein.“

Pippin schaute Gandalf traurig an. „Arme Jolanthe. Es ist sicher nicht schön ein Stein zu sein.“

Gandalf zog Pippin die nun trockene Kleidung wieder an und nickte. „Sicherlich nicht.“

Er spürte einen Stich in seinem Herzen, als er das Mitleid in den Augen des Hobbits sah. Vielleicht hätte er ihm nicht gerade diese Geschichte erzählen sollen.

„Wie wäre es jetzt mit einer lustigen Geschichte?“ fragte er um die Situation zu retten und begann zu erzählen.

Pippin jedoch war mit seinen Gedanken bei Jolanthe und hörte kaum auf die Worte des Zauberers.

Er buddelte mit seinen Fingern in dem erdigen Grund. Plötzlich schrie er auf.

„Gandalf! Ich habe Jolanthe gefunden!“  und hielt einen Stein vor die Augen des Zauberers.

„Wie müssen sie retten und den goldenen Kelch aus Odens Höhle holen!“

Schnell wie der Blitz rannte Pippin davon. Gandalf, der sich immer noch ein wenig schuldig fühlte, dem Jungen eine so tragische Geschichte erzählt zu haben, folgte ihm.

Leise schlichen sie durch das kleine Wäldchen. „Pssst“, machte Pippin in Gandalfs Richtung und schaute ihn streng an. „Du musst leise sein. Dieses ist ein Trollwald. Du möchtest doch nicht das sie uns hören.“

Er hob zwei Stöcker vom Boden auf. Einen reichte er Gandalf. „ Halte dein Schwert bereit! Ich kann die Trolle schon riechen...“ Pippin schnupperte.

Sein Gesicht hellte sich auf. „Hier lang!“

Nach einigen Minuten Wanderung erreichten sie eine große Wiese, die am Rande des Waldes lag.

Pippin kniete sich nieder, legte ein Ohr auf den Boden und horchte angestrengt. „In diese Richtung! Schnell!“

Der Hobbit rannte über die Wiese, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen konnten und der Zauberer eilte mit großen Schritten hinterher.

Er schüttelte den Kopf. „Auf Trolljagt mit einem Hobbitjungen. Das darf man ja niemanden erzählen.“

Ein Smial tauchte an der Seite der Wiese auf und Gandalf konnte die „Trolle“ nun auch riechen. Sie rochen nach Kirschen und Zimt!

Während er noch vor sich hindachte ertönte ein zorniger Schrei.

„DU BENGEL!“

Gandalf schaute sich suchend nach Pippin um. Wo war er hin?

Plötzlich sprintete eine kleine Gestalt an ihm vorbei und rief nur. „Lauf! Die Trolle kommen!“

Hinter einem Baum kamen die beiden schnaufend zum stehen und Pippin grinste Gandalf frech an.

„Hungrig?“ fragte er, jetzt mit Unschuldsmiene auf dem Gesicht und streckte ihm einen noch dampfenden Kuchen entgegegen.

„Pippin! Du kannst doch nicht anderer Leute Kuchen stehlen!“

„Merry sagt, das geht schon in Ordnung, aber nur wenn genug da ist. Willst du nun ein Stück oder nicht? Ich kann ihn auch alleine essen.“ brabbelte das Kind zwischen zwei Bissen vor sich hin.

Gandalf schüttelte ungläubig mit dem Kopf, nahm dann jedoch das angebotene Stück in die Hand und kostete es.

„Lecker!“ dachte er und fühlte sich, als ob drei Nullen seines Alters ausradiert wären.

„Nein, das durfte er wirklich niemanden erzählen.“

Nachdem kein Krümelchen Kuchen mehr übrig war, ging die abenteuerliche Reise zu Oden´s Höhle weiter.

Hobbit und Zauberer marschierten durch das sonnige Auenland und Pippin sang so laut er konnte, einige Lieder, die er von Bilbo gehört hatte.

Gandalf waren diese Lieder noch gut vertraut und er lächelte über die Erinnerungen, die sich in seinem Geiste formten.

Bald kamen sie an einen „ wilden und magischen Fluss“, wie Pippin hin nannte. 

„Du darfst nicht ins Wasser schauen.“ klärte er Gandalf auf. „ Dieses ist ein verzauberter Fluss. Wer hineinsieht, wird von dem Flussgeist verschlungen!“

Also warteten sie, den Blick stur geradeaus gerichtet durch das Gewässer, welches dem Zauberer nur knapp bis zum Knöchel reichte.

Plötzlich trat Gandalf auf einen moosbewachsenen Stein und mit einen Aufschrei landete er mit einem Platsch im Wasser. Fluchend rappelte er sich wieder auf und blickte zum Flussufer.

Dort stand Pippin mit verschränkten Armen und rollte mit den Augen.

„Ich habe dir doch gesagt, du sollst nicht ins Wasser schauen. Fast hätte dich der Flussgeist gehabt. Du hast wirklich Glück gehabt, das ich da war und den Flussgeist mit meinem Zauberstab zurück in die Fluten verbannt habe!“ 

Er hob seinen Stock hoch, den er zuvor in die Seite seiner Hose gesteckt hatte und grinste.

„Ein Danke wäre nett!“

Gandalf starrte ihn sprachlos an. Dann fing er an zu lachen und verbeugte sich tief vor dem Hobbit. „Vielen Dank!“

„Gern geschehen!“ erwiderte Pippin trocken.

Nicht lange nachdem Kampf mit dem Flussgeist nährte sich eine neue Gefahr.

„Orcs!“ flüsterte Pippin. „Wir müssen schon ganz nah an Oden´s Höhle sein!“

Er blickte sich um. „ Wir müssen uns verstecken.

Dort!“ Er zeigte auf einen alten Baum. „ Schnell, klettere rauf!“

Die beiden Hobbits, die vorbeikamen schauten den Zauberer im Baum staunend an. Dann tauschten sie vielsagende Blicke aus.

„ Ich glaube der Gute hockt zuviel mit dem verrückten Baggins aus Bag End zusammen!“ flüsterte der eine dem Anderen ins Ohr. Dieser nickte, lächelte Gandalf jedoch freundlich an uns sagte im Vorbeigehen. „ Einen schönen Tag wünsche ich ihnen, Herr Gandalf!“

Gandalf nickte ihm höflich zu und spürte wie sein Gesicht heiß wurde.

Pippin grinste ihn von oberhalb des Baumes an, gut versteckt vor den Augen der Vorbeigehenden, pflückte eine Pflaume und warf sie dem einen Hobbit gegen den Rücken.

Dieser wandte sich um und blinzelte den Zauberer erstaunt an, ging dann jedoch weiter ohne ein Wort zu sagen.

Gandalf sah, wie sich die Beiden noch zweimal umwandten und zu ihm zurückblickten.

Er kletterte vom Baum.

„Genug jetzt Peregrin Tuk! Es wird langsam spät! Wir sollten zurückgehen!“

Pippin kletterte ebenfalls vom Baum und während er von dem letzten niedrigen Ast mit einem Satz heruntersprang rief er. „ Aber wir haben doch den Kelch noch nicht gefunden!“ und rannte davon.

„PEREGRIN!“ hörte Gandalf sich hinter dem Kind herrufen. Doch es war hoffnungslos. Der Hobbit ignorierte ihn und verschwand im angrenzenden Maisfeld.

Sich die Haare raufend lief der Zauberer hinterher. „Dafür bin ich doch wirklich zu alt!“

Suchend schaute er sich um. Ein Hobbit konnte sich nicht einfach in Luft auflösen! Nicht einmal ein so kleiner wie Peregrin Tuk.

Er konnte schlecht ohne Pippin zum Brandyweinschloß zurückkehren. Nicht nur die Took Familie, die dort zu Besuch war und bei der Vorbereitung einer Feier half, würde ihm den Kopf abreißen, sondern auch die Brandybucks und Bagginses.

„Pippin!“ rief er. „Pippin, wo bist du?“

„Ahhhhhh, HILFE! Es ist Oden!“ hörte er plötzlich den Gesuchten schreien, gefolgt von einem lauten Bellen.

Gandalf rannte so schnell er konnte durch das Feld und erreichte Pippin gerade noch vor dem großen, zähnefletschenden Hund, der dem Jungen auf den Fersen war.

Er hob das Kind vom Boden auf und lief so schnell er konnte den ganzen Weg bis zur Fähre, die über den Brandywein führte.

Nach Luft ringend ließ er sich auf dem Holz nieder und blickte Pippin an. „Bist du verletzt?“ keuchte er.

Pippin starrte ihn ehrfürchtig an, während er eine Karotte aus der Hosentasche zog, abbiss und sie dann Gandalf vor den Mund hielt.

„Du kannst ja schnell rennen! Willst du nicht mitkommen, wenn Merry und ich das nächste Mal Gemüse von Farmer Maggot stibitzen? Mit dir haben die Hunde keine Chance uns zu erwischen!“

Gandalf empfand das zwingende Bedürfnis diesen kleinen Hobbit ordentlich zu schütteln und hätte sich schon fast dazu hinreißen lassen, als Pippin plötzlich einen Stein aus der Tasche zog und Gandalf mit traurigen Auge ansah.

„Wir haben versagt! „

Er strich vorsichtig über den Stein und flüsterte. „Es tut mir leid Jolanthe.“

Gandalf seufzte. Seine Wut war verflogen. Er setze sich das Kind auf den Schoß.

„Ich habe heute Mittag ganz vergessen, dir zu erzählen, das es noch eine zweite Möglichkeit gibt, Jolanthe zu befreien.“

„Welche denn?“

„Du musst es dir ganz doll wünschen und den Stein in diesen Fluss werfen! Denn dieser Fluss ist ein magischer Fluss. Einige Tropfen aus dem goldenen Kelch wurden einst in ihn gegossen.“

Pippin strahlte, drückte die Augen fest zusammen, um seinen Wunsch zu machen und warf dann den Stein kraftvoll in die Fluten des Brandywein.

„Du musst dich nicht bedanken, Jolanthe“ rief er hinterher. „ Wir haben dich gerne gerettet!“ Er schaute zum Zauberer herauf. „Nicht Gandalf?“

Gandalf nickte, ein gequältes Lächeln auf den Lippen und gemeinsam marschierten die beiden Helden zurück zum Brandyschloß.

 

- Ende -

 

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